DIE KUNSTSAMMLUNG DES HERZOGLICHEN GEORGIANUMS


Entstehung

Das Georgianum verdankt die reichhaltige Sammlung alter Kunst. insbesondere Plastik und Malerei, dem 1840 im Oberallgäuer Weiler Zaumberg geborenen Andreas Schmid. Fünfundvierzig Jahre lang diente er als Subregens und Regens den Alumnen und dem traditionsreichen Haus. Ab 1. Januar 1866 Direktor des Seminars sowie Ordinarius für Pastoral, Liturgik, Katechetik und Homiletik, verfolgte Schmid das Ziel, die kultischen, ikonographischen und hagiographischen Bezüge von religiösen Kunstwerken den Studenten möglichst umfassend zu vermitteln. Er wollte nicht Kunsthistoriker und Kunstästheten, sondern Seelsorger heranbilden.

Sammelleidenschaft, gepaart mit verantwortungsvoller Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, und berechtigte Sorge im Umgang mit Liturgie bezogenen Bildern, Symbolen und Geräten ließen andere notwendige Investitionen für das große Gebäude an der Münchner Ludwigstraße zurücktreten.

Schmid fühlte sich auch während seiner Münchner Tätigkeit der Allgäuer Heimat eng verbunden und pflegte viele Verbindungen, die reichlich zur Mehrung des liturgischen Anschauungsmaterials im Hause führten. Hinsichtlich der kunstgeschichtlichen Ausbildung der angehenden Theologen erhielt Schmid bedeutsame Anregungen von dem Theologen und Philosophen Martin Deutinger (1815-1864). Die entscheidenden Anstöße jedoch kamen wohl durch Valentin Thalhofer (1824-1891), den neben Ferdinand Probst in Breslau bedeutendsten Liturgiewissenschaftler des 19. Jahrhunderts in München. Für Thalhofer sind Kult und Liturgie das Wesentlichste und Innerste der katholischen Kirche. Unter allen pastoralen Tätigkeiten nimmt deshalb „die liturgische unstreitig den ersten Platz ein“. Die Motive für das Entstehen der Kunstsammlung sind in erster Linie hier zu finden.

Nach Thalhofer soll die kirchliche Kunst wieder mehr die Symbole pflegen. Denn das Geistige, vor allem das Göttliche, könne nur durch Symbole ausgedrückt werden. Dabei „müßten die Symbole, welche in der Architektur oder Malerei verwendet werden, dem Volke, sofern sie nicht gemeinverständlich sind, erklärt werden“.

Die von Andreas Schmid angesammelten Kunstwerke haben sich weitgehend erhalten, im Gegensatz zur nicht beweglichen Ausstattung des Hauses, wie die umfangreichen Wandmalereien christlicher Symbole und die neoromanischen Dekorationen in Treppenhäusern, Sälen und Gängen. Auch die nach berühmten Vorbildern angelegte Gipsmodell-Sammlung aus Rom, Berlin und Istanbul, von der Schmid behauptete, dass „unsere kleine Sammlung an altchristlichen Darstellungen reicher ist als große Weltmuseen“, fiel der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg anheim. Bereits zu Lebzeiten Schmids gelangten die Sammlung und die auf sie bezogenen Räume zu Ruhm und Anerkennung.

Als Andreas Schmid sich am 12. August 1909 schweren Herzens vom Georgianum verabschiedete, schrieb er in das Personalbuch des Hauses: „Ich habe das Georgianum in schweren Zeiten von dem Untergang retten helfen, demselben 45 Jahre ausschließlich gedient und wünsche sein ferneres Gedeihen, Gott gebe es!“

 

Bewahrung

Der Zweite Weltkrieg bewirkte einen tiefen Einschnitt vor allem auch hinsichtlich der Aufbewahrung und Darstellung sakraler Kunst im Georgianum. Der Nachfolger Schmids, Direktor Eduard Weigl (1869-1960), ließ sinnvollerweise alle beweglichen Kunstwerke an verschiedene Orte auslagern, vor allem in Pfarrhäuser.

Die Direktoren Joseph Pascher und Walter Dürig versuchten unter schwierigsten Umständen, den Bestand zu erhalten und auch zu pflegen. Einzelne bedeutende Bildwerke und Gemälde wurden konserviert und restauriert und bewusst durch hervorgehobene Aufstellung und Gebrauch verlebendigt. Herausragende Bedeutung erfüllte dabei stets die mit kostbarsten Andachtsbildern ausgestattete Hauskirche „Ceona Domini“. Die ihrem ursprünglichen Zusammenhang entrissenen und in Gebrauch befindlichen liturgischen Bilder wurden wieder mit Sinn erfüllt und erleichtern bis auf den heutigen Tag plastisch und farbig den Weg durch das Kirchenjahr.

 

Neue Präsentation

Das 492. Stiftungsfest des Herzoglichen Georgianums am dritten Adventssonntag, dem 14. Dezember 1986, war Anlass, die Kunstsammlung vor allem aus konservatorischen Gründen neu geordnet und belebt in eigens dafür geschaffenen Räumen im Hochparterre an der Ludwigstraße zu zeigen.

Direktor Reiner Kaczynski fasste den kühnen Entschluss zu dieser seit Andreas Schmid umfangreichsten und wirkungsvollsten Neuorganisation der Kunstwerke, nicht nur, um sie in ihrer Gesamtheit auch der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich zu machen, sondern um die liturgische und kunsthistorische Bildung der Studenten anhand von Originalen zu vertiefen und verlebendigen. Die ursprünglich Schmid’sche Intention der Einrichtung eines Seminarmuseums für die angehenden Theologen, um die designierten Priester auf die künftig in den ihnen anvertrauten Kirchen obliegende sorgfältige Pflicht und Wachsamkeit sowie den sachgerechten Umgang mit den Kunstwerken vorzubereiten, erfüllte sich auf diese Weise von Neuem.

Am 15. Juli 1988 wurde zur Erhaltung des Kunstsammlung und der alten Buchbestände der Bibliothek ein Verein der „Freunde und Förderer des Herzoglichen Georgianums e.V.“ gegründet, zu dem sich viele Altgeorgianer zählen und darüber hinaus Förderer mit enger Bindung an das Haus, darunter S.K.H. Herzog Franz von Bayern, der auch Ehrenvorsitzender des Vereins ist.

 

Literatur:

Werner SCHNELL, Die Kunstsammlung. Entstehung und Geschichte, in: Reiner Kaczynski (Hrsg.), Kirche, Kunstsammlung und Bibliothek des Herzoglichen Georgianums, Regensburg 1994, 39-46.